Strategien von Schulaufsicht zur Qualitätsentwicklung von Ganztagsschule

14.05.2018 - Prof. em. Dr. Jürgen Oelkers über die Entwicklung von Schulaufsichten in anderen Ländern.

© DKJS/B. Bernat

Wie entwickeln sich die Schulaufsichten in anderen Ländern und wie gehen sie mit aktuellen Herausforderungen und einem veränderten Aufgabenprofil um? Das ist die zentrale Frage, der Prof. em. Dr. Jürgen Oelkers in seiner Keynote auf dem 1. Schulaufsichtsfachtag des Programms „LiGa – Lernen im Ganztag“ am 4. Mai 2018 in Berlin nachgegangen ist. Hier fassen wir erste Einblicke zusammen. Am Ende des Beitrags finden Sie das vollständige Skript und die Präsentation zum Vortrag als Download.

Schulaufsicht im Wandel – nicht nur in Deutschland

Nach jahrzehntelanger Kontinuität ändert sich seit einigen Jahren die Definition und damit auch das Aufgabenprofil von Schulaufsicht von Grund auf. Der Kern bleibt mit Fach-, Dienst- sowie Rechtsaufsicht bestehen. Mittlerweile umfasst die Fachaufsicht allerdings auch die Beratung und Unterstützung der Schulen als vorrangige Aufgabe. Die Schulaufsicht soll Schulen zu mehr Selbstständigkeit befähigen und sie mittels Rückmeldung, Beratung und Qualitätssicherungssystemen unterstützen. Ein Blick in andere Länder zeigt, dass mit diesem veränderten Aufgabenprofil unterschiedlich umgegangen wird.

Schweden, Niederlande und Norwegen

Hauptaufgabe des schwedischen Schulinspektorats ist es, zur Verbesserung und Entwicklung von Schulen beizutragen. Dieser Auftrag fußt auf dem Recht aller schwedischen Kinder, eine gute Bildung und Wissen in einer sicheren Umgebung zu erwerben. Durch ein differenziertes Inspektionssystem werden Schulen, bei denen nicht sichergestellt ist, dass sie diesen Rechtsanspruch erfüllen, enger durch die Schulaufsicht begleitet.
Auch in den Niederlanden arbeitet Schulaufsicht mit einem abgestuften System, welches durch jährliche Frühwarnanalysen vor dem Verlust von Schulqualität an einzelnen Schulen warnt. Neben intensiverer Inspektion von gefährdeten Schulen, kann die Schulaufsicht die Ausarbeitung von Schulentwicklungsplänen auferlegen und dem Bildungsministerium das Verhängen von Sanktionen empfehlen.
Die Aufgabenschwerpunkte in Schweden und den Niederlanden haben sich also in Richtung der Qualitätssicherung verschoben. Die Schulinspektion in Norwegen ist zunächst als Rechtsaufsicht gedacht. Jedoch überwacht auch sie das Recht auf eine ausgewogene Bildung der höchsten Qualität.

USA

In den USA gibt es Entwicklungen, die von betriebswirtschaftlichen Überlegungen geprägt sind. Diese Entwicklungen führen zur Reduktion und im Grenzfall zur Auflösung der Schulaufsicht in ihrer bisherigen Form. In der Folge wären Schulen mit ihrer eigenen Aufsicht betraut.

Schweiz

Auch die Schweiz arbeitet an der Überwindung der traditionellen Schulaufsicht mit dem Ziel, die Funktionen „kontrollieren“, „evaluieren“, „führen“ und „beraten“ zu entmischen. Zur Umsetzung der Qualitätssicherung wurde im Jahr 2006 eine neue, fachlich unabhängige Fachstelle für Schulbeurteilung im Kanton Zürich gegründet, welche die zweite Ebene der Schulaufsicht ersetzt. Züricher Schulen werden alle fünf Jahre extern evaluiert und auf Grundlage der Ergebnisse zu weiteren Entwicklungsschritten angeregt.

Das gesamte Skript des Vortrags von Prof. Oelkers finden Sie hier.

Die PPT-Präsentation können Sie hier als PDF herunterladen.

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