Leaderchips to go #9: Resilienz in der Schulführung

20.06.2022 - Am 08. Juni sprachen wir im Rahmen unserer digitalen Impuls- und Austauschreihe mit Astrid Geschwind und Lena Lehmann-Willenbrock über Resilienz in der Schulführung.

Die Corona-Pandemie stellt Schulen weiterhin vor große Herausforderungen. Mit den bisherigen Impulsen der Reihe „LeaderChips to go“ haben wir vorrangig Anregungen aus der Wissenschaft bekommen, wie ein Umgang mit der herausfordernden Lage gelingen kann. Nun wollen wir diese mit Blick aus der Praxis reflektieren und Empfehlungen ableiten. Im Fokus stehen daher die Perspektive der Praxis: Schulleitung und Schulaufsicht reflektieren beim Live-Austausch ihre Erfahrungen.

Am 8. Juni 2022 sprachen wir mit Astrid Geschwind, Bezirksregierung Köln, Dezernat 44, und Lena Lehmann-Willenbrock, Orientierungsstufenleiterin und Mitglied des Schulleitungsteams der Humboldt-Schule Kiel, über Resilienz im Schulalltag und in der Schulführung. Im Gespräch gingen die beiden Referentinnen der Frage nach, wie diese in der Schule unterstützt und gestärkt werden kann – und welche Rolle die Schulaufsicht dabei einnimmt.

 

Selbstwirksamkeit durch Wahrnehmung

Resilienz bezeichnet die psychische Widerstandsfähigkeit von Menschen, um schwierige und stressige Umstände und Herausforderungen bewältigen zu können und in eine gesunde Balance zurückzukehren. Dabei geht es nicht um die Vermeidung, sondern den Umgang mit jenen Situationen. Beide Referentinnen betonten im Gespräch, dass Resilienz im Schulalltag – und vor allem in der Führung – aktueller denn je sei. Das gilt auch für die Schulaufsichten. Wie Astrid Geschwind erklärt, hätten Schulaufsichten die Aufgabe, Schulen – und insbesondere Schulleitungen – durch ihr Handeln in ihrer Selbstwirksamkeit zu stützen und stärken. Konkret bedeute das, für die Schulleitungen da zu sein, hinzufahren, zuzuhören und Empathie zu zeigen. Diese Form von Beratung trage enorm dazu bei, das Vertrauen zwischen Schule und Schulaufsicht zu stärken. Das bestätigt auch Lena Lehmann-Willenbrock und hebt hervor, wie wichtig es für die Schulen ist, an einem Ort gehört und wahrgenommen zu werden. Denn erst das sei die Voraussetzung, um sich als Schulleitung bzw. Mitarbeitende im Bereich der Selbstwirksamkeit zu engagieren.

 

Der Blick nach vorn

Neben Empathie und Achtsamkeit ist ein weiteres Kriterium von Resilienz der optimistische und lösungsorientierte Blick in die Zukunft. Statt sich auf die Vergangenheit zu fokussieren, sollte man sich auf die Potenziale und Ziele für die Zukunft konzentrieren – wie Lena Lehmann-Willenbrock im Gespräch erklärt. Gleichzeitig brauche es ganzheitliche Konzepte, um mit Stress differenziert umzugehen. Denn statt nur aktuelle Stresssituationen und deren Bewältigung in den Blick zu nehmen, sollte Resilienz auch präventiv betrachtet werden.

Der Zukunft optimistisch zugewandt ist man auch an der Humboldt-Schule in Kiel. Wie Lena Lehmann-Willenbrock erzählt, widmet man sich dem Thema Resilienz dort sehr konkret und kleinschrittig. So wurde beispielsweise eine Umfrage für die ca. 600 Schüler:innen und Lehrkräfte durchgeführt und dabei 13 Faktoren abgefragt. Unter anderem wurden folgende Fragen gestellt:

  • Wie viel Zeit bleibt im Schulalltag für das soziale Miteinander?
  • Wie hoch ist das Stresslevel im Schulalltag?
  • Wie oft schafft man es, sich im Schulalltag zu entspannen und Stress abzubauen?
  • Wie kann man eigene Interessen einbringen?

Mit den Daten lässt sich erkennen, was bereits gut läuft und an welchen Stellen gehandelt werden muss. So lassen sich zielgerichtete Maßnahmen entwickeln und Ressourcen aufdecken. Dadurch lässt sich auch ein Haltungswechsel schaffen, wie die Referentin erklärt.


Die Reihe „LeaderChips to go“ ist ein Angebot im Rahmen von „LiGa – Lernen im Ganztag“ – einer Initiative der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und der Stiftung Mercator.

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